Reiterverein Sindelfingen e.V.

Geschichte des Voltigierens


Voltigieren ist eine junge, moderne Sportart mit historischem Hintergrund. Schon unter Kaiserin Maria Theresia haben Kaskadeure auf den Jahrmärkten Kunststücke auf einem galoppierenden Pferd gezeigt und wurden dafür von der Kaiserin, in deren Gunst sie standen, hoch geehrt und honoriert. Auch in der französischen Kavallerie wurde bereits im 18.Jahrhundert voltigiert, um die Rekruten besser und schneller für den Kampf zu Pferd auszubilden. Später, im 20.Jahrhundert hatten die Kavallerieschulen, ebenso wie die Polizeischulen in vielen europäischen Ländern, das Voltigieren fest in ihren Ausbildungsplänen verankert.

Einzelvoltigieren, ausgeführt von Armeeangehörigen, war 1920 in Antwerpen olympische Disziplin bei der Olympiade.
Heute ist das Voltigieren Breiten- und Leistungssport. Allein in Baden-Württemberg gab es Ende 1987 ca.4.000 aktive Voltigierer, die in den Reitervereinen in etwa 350 Gruppen zusammengeschlossen sind. Die Jugendlichen bereiten sich beim Voltigieren entweder auf das Reiten vor, oder aber bei entsprechendem Talent betreiben sie diesen Sport als eigenständige pferdesportliche Disziplin.

Die vielen Vorteile, die der Voltigiersport bietet, liegen auf der Hand und werden von Eltern und Jugendlichen schnell erkannt. Als Gruppensport ist er für die Erziehung zum Miteinander natürlich besonders geeignet. Mut, Disziplin und Rücksichtnahme und Pünktlichkeit werden gefördert – dazu die Freude an gemeinsamer Freizeitgestaltung wie Zeltlager, Wanderungen, Vereinsfeiern etc. Hinzu kommen die sehr günstigen Kosten für eine Voltigierstunde.

Die Voltigierpferde werden sorgfältig ausgebildet und müssen einen tadellosen Charakter, ein gutes Temperament und eine runde, gleichmäßige Galoppade haben.

Wann Kinder mit dem Voltigieren beginnen können hängt immer von der Größe von Kind und Pferd ab. Auf jeden Fall sollte der Griff des Voltigiergurtes mit beiden Händen zu umfassen sein, wenn das Kind neben dem Pferd auf dem Boden steht. Der Jugendliche kann bis zu seinem 18.Lebensjahr in der Gruppe voltigieren. Ab 16 Jahren ist er berechtigt, in Einzel-Wettbewerben oder im Pas de Deux zu starten. Für die Einzelvoltigierer gibt es nach oben keine Altersbegrenzung. Aber es empfiehlt sich in jedem Fall, die Ausbildung in einer Voltigiergruppe zu beginnen.

Im Leistungssport gibt es ein nationales und internationales Reglement. Es müssen 6 Pflichtübungen von allen Voltigierern gezeigt werden – eine Gruppe besteht aus max. 9 Voltigierern (inkl. Ersatzmann).

Alle statischen übungen müssen mindestens 4 Galoppsprünge ausgehalten werden. Außerdem wird eine Kür verlangt, die von der Gruppe, den Paaren oder dem Einzelnen nach freiem Ermessen zusammengestellt wird und deren Zeit auf 5 Minuten (Gruppe) bzw. 1 Minute (Einzel) begrenzt ist. Für jede übung vergeben die Richter eine Note zwischen 10 und 0, dazu kommt eine Note für die Gestaltung und die Ausführung, sowie den Inhalt der Kür. Das Pferd, das Longieren sowie das Verhalten der Gruppe werden mit einer weiteren Note für den Gesamteindruck bewertet.

Seit 1960 gibt es in Deutschland bereits Landesmeisterschaften. 1963 fand die erste “Deutsche Meisterschaft” statt. Seit 1984 haben wir Europameisterschaften und seit 1986 auch Weltmeisterschaften, jeweils im 2jährigen Rhythmus. Bei der WM 1988 gingen Voltigierer aus 17 Nationen an den Start. Noch ist Deutschland führend in dieser Sparte, dicht gefolgt von der Schweiz, österreich und den USA.